Geschichte des Hundetrainings

März 8th, 2012

Wie ich bei den Recherchen zu diesem Thema feststellen mußte, ein sehr weitreichendes Thema! Doch eines hat es klar gezeigt! Die Grundprinzipien des Tiertrainings haben sich in den letzten 4000 Jahren nicht geändert! Sie bestehen aus einer Selektion nach Fähigkeiten des Hundes. Border Collies, die keine Ambitionen zum Hüten haben, kommen auch nicht an die Schafe!
Management ist ein wichtiger Faktor! Wenn der Hunde noch nicht gelernt hat, auf Rückruf wiederzukommen, bleibt er halt an der Leine! Und aus Lernen, individuellem Lernen und selbst die alten Griechen wußten schon, Belohnung wirkt nachhaltiger, Beziehungsbildender, als Strafe!
Und wir können das Training, damals wie heute, auf die vier Konsequenzen der operanten Konditionierung herunterbrechen! Sie haben früher nichts anderes gemacht. Genauso wie wir heute! Nur heute haben wir wesenltlich mehr Kenntnisse darüber, welche Vor- und Nachteile die jeweiligen Konsequenzen haben und können sie zielgerichteter einsetzen! Die ethischen Grundlagen haben sich geändert, sodass heute Strafeinwirkungen, die ängstigend wirken, eigentlich der Vergangenheit angehören sollten. Auch wenn sie kurzzeitig und manchmal auch länger funktionieren, so bringt diese Konsequenz, die ängstigende Strafe (positive Strafe) mehr Schaden als Nutzen! Diese Kenntnis hatten irgendwie alle in der Geschichte, aber die praktische Umsetzung scheint sehr sehr schwierig zu sein! Die Möglichkeiten der befriedigenden Belohnung sind fast unbegrenzt! Man muß sie nur zu Nutzen wissen! Seit gut 70 Jahren wird dieses Wissen zielgericht im parktischen Tiertraining angewandt. Befriedende Verstärkung (positive Verstärkung) ist mehr! Sie schützt uns nicht vor unerwünschtem Verhalten, aber sie hilft, dieses Verhalten nachhaltig umzubauen und das Verhalten des Hunde an unsere Umwelt anzupassen!

Hunde vermenschlichen!?

Oktober 1st, 2010

Man hört es immer wieder… „Du vermenschlichst deinen Hund!“
Ein heißes Eisen, denn der Hund ist ein Teil unserer Gesellschaft, ihn nicht so zu behandeln, wie es artgerecht ist, ist ein Verstoß gegen unsere Vorstellung vom Umgang mit Tieren!
Doch was ist überhaupt artgerecht, vor allem beim Hund?
Artgerechte Haltung versucht sich an den natürlichen Lebensbedingungen der Tiere zu orientieren. Ihre Bedürfnisse weitgehend zu befriedigen und ein Lebensumfeld zu schaffen, welches ihren ursprünglichen Lebensweisen nahe kommt.
Beim Tiger oder Elefanten, selbst beim Wolf können wir uns das recht gut vorstellen! Dichter Dschungel, weite Steppe oder die Gebirgszüge der Rocky Mountain oder die Wälder und Wiesen der Lausitz!
Doch beim Hund? Er ist seit tausenden von Jahren ein Bestandteil unserer Gesellschaft! Sein Habitat ist die menschliche Umgebung, der Hof, das Haus, die Stadt!
Hunde können sich hervorragend den unterschiedlichsten Lebensräume des Menschen anpassen. Man findet sie in Hamburg, New York. Am Timmendorfer Strand, in den Bergen der Schweiz. Bei den Ureinwohnern Südamerikas, in Grönland bei den Eskimos und in Australien! Rund um den Globus, in allen erdenklichen Lebensräumen, die auch der Mensch bewohnt.
Sie sind also ein Teil von uns! Wissenschaftler sprechen zum Teil auch von einer Co-Evolution bei Mensch und Hund!
Was ist also das Vermenschlichen  eines Tieres, das so eng mit uns zusammen lebt?
Ich habe einmal ein paar Hundehalter gefragt und viele antworteten u.a. folgendes: Den Hund im Bett schlafen lassen, den Hund auf’s Sofa lassen, dem Hund Mäntel anziehen, dem Hund Plüschhalsbänder und  Hundehandtäschchen kaufen, mit dem Hund sprechen, als wäre er ein Mensch usw.
Kommen wir nocheinmal auf die artgerechte Haltung zurück! Der Hund lebt in unserem Haus, in der Stube, auf dem Flur, im Schlafzimmer! Aber auch im Dschungel und in der Eiswüste! Wie soll man da sagen, was artgerecht ist? Hunde leben gerne in Gruppen, aber nicht zwingend. Hunde mögen die Gesellschaft von Menschen, zumindest kuscheln sich meine Hunde abends an uns heran und schnarchen genüsslich. Und sie werden zum großen Teil danach selektiert, sich dem Menschen anzuschließen, weniger aber anderen Hunden.
Wir sind sicher noch weit davon entfernt, ein Ethogramm für den Hund komplett erstellen zu können! Es gibt zu viele verschiedene Lebensräume und… auch zu viele verschiedene Hundetypen!
Wir können also fast nur aus dem Verhalten des Hundes schließen, ob es für ihn lebenswert und somit artgerecht ist! Wenn wir auf ein langes Leben des Hundes, ohne größere Problem, ohne, oder nur mit wenig Krankheiten,  nur wenig Aggressionsverhalten usw. zurückblicken können, können wir annehmen, dass unsere Haltungsbedingungen für dieses Individuum artgerecht und typgerecht waren. Wenn der Hund sein Umfeld kontrollieren konnte, sodass er sich wohl fühlte, haben wir es wahrscheinlich geschafft! „Sein Umfeld kontrollieren“ bedeutet im Übrigen nicht, dass er uns auf Schritt und Tritt verfolgt, sondern beschreibt die Basis eines jeden Dasein! Wenn man sein Umfeld nicht kontrollieren kann, sind Stresserkrankungen wahrscheinlich! Das heisst auch nicht, wenn man einen problematischen Hund hat, dass man ihn nicht typgerecht hält! Man sollte nur um die Probleme wissen und entsprechend das Verhalten des Hundes trainieren, damit er sich besser fühlen kann, bzw. das Umfeld entsprechend managen.
Hunde können sich ihren Lebensraum oft nicht aussuchen! Wir gehen zum Züchter oder ins Tierheim oder suchen uns einen Hund bei einer Tierschutzorganisation im Internet aus. Wir entscheiden, wo er fortan leben wird! Wir entscheiden, wann er rausgehen darf, wir entscheiden, was es zu Fressen gibt, wir entscheiden, mit wem er sich ggf. fortpflanzen darf und auch wir entscheiden oft, mit wem er spielen darf/soll oder nicht!
Was ihm bleibt, sind die Dinge, die seine Biologie vorgeben! Hunde nehmen ihre Umwelt anders wahr als wir! Sie können wesentlich besser riechen, besser hören, anders sehen! Ihr Blickwinkel ist anders, ihre Vorstellungen von sozialen Interaktionen sind anders. Während in der mitteleuropäischen Kultur des Menschen es fast ein Muss ist, dem Gesprächspartner ins Gesicht zuschauen, während man sich mit ihm unterhält, bedeutet dies in der Hundewelt oft eine Bedrohung. Viele Hunde genießen es, sich mit einem halb verwesten Fisch zu parfümieren. Eine frische Rehspur versetzt sie in Ekstase!
Wir unterstellen ihnen, sie kennen die Bedeutung von Besitz!
Wenn wir die Bedürfnisse der Hunde, so individuell sie auch sein mögen, nicht kennen und nicht erkennen wollen/können und wir ihnen die menschliche Sichtweise der Welt, unsere Realität, aufdiktieren, dann, meiner Meinung nach, vermenschlichen wir unsere Hunde!
Wenn wir nicht akzeptieren, dass unser Hund den Hund unserer Bekannten nicht mag, obwohl wir doch so gerne mit ihr spazieren gehen und unsere Hund dadurch immer wieder in eine schwierige Situation bringen; wenn wir nicht akzeptieren, dass das Herumschnüffeln ein Teil seiner Bedürfnisse befriedigt; wenn wir nicht akzeptieren, dass der Hund nicht gerne angefasst wird, dann vermenschlichen wir Hunde! Wenn wir davon ausgehen, der Hund kann sein Verhalten reflektieren, wenn er an der Leine zieht und wir bestrafen es, dann unterstellen wir ihm Fähigkeiten, die wir selber noch nicht einmal zu 100% erfüllen können.
Wir Menschen sehen nun einmal die Welt aus der menschlichen Perspektive, wir haben keine andere Wahl als zu vermenschlichen, gerade in Situationen, in denen wir, sagen wir einmal: emotional vorbelastet sind! Der Hund kann aber die Welt auch nur aus seiner Perspektive wahrnehmen. Dies sollte uns, zumindest ab und an bewusst werden!
Es liegt an uns, uns seine Welt durch Lernen und Beobachten greifbarer zu machen um sein Verhalten und seine Bedürfnisse besser zu verstehen.Viel Spass in der Welt der Hunde 🙂

Diskriminierung von Handzeichen durch das Calming Cap

August 28th, 2010

Da hatte ich sie nun in der Hand, die Calming Caps!
Sie sollen reaktiven Hunden helfen, durch aufregende Situation zu kommen und dort ruhiger zu reagieren! SDie Hunde sollen länger im Vorderhirn Mode gehalten werden!
Durch ein paar Berichte und einem Seminar, wo ich das Cap einmal Live an einem reaktiven Hund erleben durfte, war ich schon vorher von seinem Nutzen überzeugt! Doch in wieweit beeinträchtigt es wirklich die Sicht des Hundes! Fragen danach wurden mit: es wirkt wie ein Filter, es verschleiert die Umwelt, es nimmt einen Sinn weg, beantwortet!
How ever, gut und schön! Aber in wie weit?
Wenn man durch ein Cap schaut, ist es so, als wenn wir durch den Stoff einer einfachen, leichten Trainingsjacke schauen. Man sieht noch alles, aber es „gefiltert“, etwas verschleiert. Wie aber kann der Hund dadurch gucken?
Snow ist ja nun taub, das heißt, ich würde Ihr mit dem Cap einen wesentlichen Teil Ihrer Wahrnehmung nehmen, wenn sie dadurch keine Details mehr erkennen könnte! Ich habe also einen unangemeldeten Tierversuch gemacht und Snow das Cap aufgesetzt! Beim Aufnehmen des Videos trägt sie es zum dritten Mal. Vorher nie länger als 2-4 Minuten!
Interessant war für mich, inwieweit Snow meine Sichtzeichen, mein Markersignal wahrnehmen und unterscheiden kann! Als Sichtzeichen kamen die Signal zum setzen, legen, geh schnüffeln, guck da hin, Handtouch und Beinslalom zum Einsatz.
Auf das Markersignal reagiert sie zuverlässig (erhobener Daumen) Sitz und Platz konnte sie gut unterscheiden! Das erste Zeichen fürs legen, kam etwas zu früh und ich denke, sie war ein wenig abgelenkt! Zu Anfang klappte das Unterscheiden zwischen „geh schnüffeln und guck da hin“ nicht wirklich gut, allerdings ist der Beginn dieser Zeichen (Hand geht zu meinem Gesicht) fast identisch. Erst am Gesicht unterscheiden sich die Zeichen, einmal geht der Finger zur Nase und dann in die Richtung, wo sie schnüffeln soll, zum Anderen gehen die Finger zu den Augen in gespreitzter Form ( V ) und dann in die Richtung, wohin sie schauen soll! Dieses zu unterscheiden hat bei Snow ca. 4 Stunden effektive Trainingszeit gekostet. Allerdings über ca. 3 Monate verteilt, ohne Cap!
Alles in allem finde ich, reagiert Snow recht gut auf meine Zeichen, von daher gehe ich davon aus, dass sie durchaus, zumindest im Nahbereich, Details durch das Cap wahrnehmen kann. Von daher behaupte ich jetzt mal, nimmt es dem Hund nicht einen Sinn, sondern, wie ich bereits vorher gesagt bekam, filtert es die Wahrnehmung etwas und beruhigt! Vielleicht verhilft auch die blaue Farbe zum ruhigeren Verhalten!
Ich sehe also kein Problem, auch einem tauben Hund ein Cap ggf. aufzusetzen, wenn es ihm und uns hilft, im Training weiter zu kommen! Jedes Trainingshilfsmittel sollte bewusst angewendet werden und man sollte sich seiner Wirkung und der Nebenwirkungen bewusst sein! Ein sorgfältiger Aufbau ist dabei unerlässlich, damit es auch helfend wirken kann!

Das Video dazu könnt Ihr hier sehen:

Calming Cap – Hilfe im Training mit Reaktiven Hunden

August 23rd, 2010

Nach der Suche nach immer neuen Möglichkeiten Training möglichst effektiv und schonend zu gestalten, habe ich mir nun ein paar Calming Caps besorgt! 
Nachdem ich den Einsatz live bei einem Ridebeck Rüden erleben durfte und einige Gespräche darüber geführt habe, wollte ich es nun mal selbst erleben, wie eingeschränkt ein Hund damit ist!
Snow mußte also her!
Snow, meine taube Borde Collie Hündin hat generell kein Aggression Problem, welches ich nicht handeln könnte! Sie kann sich in sehr vielen Situationen zur mir umorientieren und verläßt sich weitestgehend auf meine Führung. Wenn sie mal von Reizen überrascht wird, oder ich penne, bellt sie schon mal los, kann sich aber auch schnell wieder beruhigen!
Also eigentlich kein Fall für ein Calming Cap…
aber, wenn ich als Hundetrainer meinen Kunden helfen möchte, muß ich natürlich auch die Hilfsmittel kennen, die ich einsetze!
Ich wollte im Speziellen wissen, wie sehr schränk die visuelle Beeinträchtigung den Hund ein!
Umso besser, wenn der Hund taub ist, denn dann kann man das Hören aus Orientierungssinn ebenfalls aussschließen!
Snow an das Calming Cap zu gewöhnen ging relativ schnell! Das Ding Snow gezeigt, Marker – Futter!
Das Calming Cap über die Augen gelegt – Futter!
Das Calming Cap richtig über die Augen gezogen – Futter!
Dann Halsband um und Calming Cap angezogen! Die ersten Versuche von Snow, dass Cap wieder auszustreifen habe ich mit der Gabe von Futter unterbrochen, da ich noch nicht wußte, in wieweit die meiner Markersignale, erhobenere Daumen, wahrnehmen kann!
Dann ging ich ein paar Schritte weg und Snow folgte mir! ich änderte die Richtung, sie folge mir!
Ich gab Ihr das Sichtzeichen für Sitzen, sie setzte sich hin! Ich gabe ihr das Sichtzeichen für Hinlegen, sie legte sich, ich gabe Ihr ein Markersignal, Ihr Rute wedelte schneller! Und ich gab Ihr Futter!
Sie reagierte fast uneingeschränkt auf Sichtzeichen und Markersignal! Das „fast“ beschreibt eine leicht verzögerte Ausführung der Signale, aber ich denke, es war die ungewohnte Wahrnehmung, die sie vielleicht etwas abgelenkt hat!
Nach ca. 3 Minuten habe ich dann den Versuch abgebrochen!
Fazit: Der Hund kann durch das Calming Cap, zumindest im Nahbereich Signale, die durch Hände gegeben werden wahrnehmen und ausführen!
Die nächsten Tage weite ich dann die Versuche mal aus, ob die auch sehr feine Signale wie „geh schnüffeln“ und „guck dahin“ diskiminieren kann, denn diese Signale sind sich sehr ähnlich!
Dann drehe ich auch mal ein Video 🙂